Wir über uns

Die Anfänge:

Am 13. Oktober 1947 übernahmen Adolf und Johanna Kücherer ein Geschäft in der Kriegsstraße 10 mit einer Ladenfläche von nur 8 qm!!! Wichtig zu diesem Zeitpunkt war, dass Johanna Kücherer einen Abschluss als gelernte Einzelhandelskauffrau nachweisen konnte und somit zum Führen eines Einzelhandelsgeschäftes berechtigt war. So stand der Eröffnung eines Milchladens nichts mehr im Wege.

Um die 10 kg Butter, die im Monat mittels Bezugskarten verkauft werden durften, richtig zu lagern, gab es einen in der Wand versenkten Kühlschrank, der noch mit Stangeneis betrieben wurde. Die von der Heidelberger Milchversorgung GmbH angelieferte Milch wurde aus 40 l Kannen von Hand ausgeschöpft; da in kaum einem Haushalt ein Eiskühlschrank vorhanden war, fand die Milchausgabe gegen Bezugsscheine täglich, sogar am Samstag- und Sonntagvormittag statt, was zur Folge hatte, dass die Kunden oftmals bis zur Tiefburgschule Schlange standen.

Da es um die heutige „Käse-Ecke“ geht, sei noch vermerkt, dass zum damaligen Zeitpunkt nur ca. 10 Käsesorten zum Verkauf angeboten wurden, z.B. Limburger, Handkäse, Tilsiter, Esrom, Chester und ähnliche Sorten.

Der Aufbau:

Durch die schon damals sehr kundenfreundliche Ausrichtung dieses Familienbetriebes und dem damit einhergehenden Zustrom zufriedener Kunden, kam man bald in Konflikt mit dem Gewerbeaufsichtsamt, das ganz preußisch-beamtenmäßig feststellte: Umsatz zu groß, Räumlichkeiten zu klein. Hinzu kam der Einwand eines Stadtrates, die vorhandene Ladenfläche sei im Bebauungsplan nur als Wohnraum, nicht als Geschäftsraum ausgewiesen. So entschloss man sich trotz knappster finanzieller Mittel im Jahre 1951, das zum Verkauf anstehende Haus zu erwerben und bot – nach Hinzunahme des an den Laden angrenzenden Zimmers, womit die Ladenfläche auf 23 qm anwuchs – auch offene Lebensmittel wie z.B. Mehl, Zucker, Gries, Mandeln, Reis, Linsen, Kaffee, Senf, Essig, Öl und Grünkern, sowie einige „Luxusartikel“ wie Bonbons und Lutscher an.

Mit diesem Umbau wurde auch eine Modernisierung verbunden: Der Kühlschrank wurde mit elektrischer Kühlung ausgestattet, eine Milchpumpe angeschafft, ein Sahnebläser installiert.

Das Käsesortiment wurde um französische und dänische Käsesorten auf ca. 20 erweitert. Johanna Kücherer fertigte auf Wunsch vieler Kunden für besondere Anlässe, wie z.B. Konfirmationen, Taufen oder Jubiläen, dekorative Käseplatten an – ein Service den die „Käse-Ecke“ bis zum heutigen Tag weiterführt. Die heutige Chefin Inge Kücherer begann im Jahre 1953 ihre Ausbildung in diesem Geschäft.

Der Umbau:

Im Gegensatz zur heutigen Zeit, wo man über Zuwachsraten mit einer Zwei vor dem Komma schon mehr als zufrieden ist, florierte in den fünzigern und Anfang der sechziger Jahre dieses gut und solide geführte Geschäft dermaßen, dass ein erneuter Umbau ins Auge gefaßt wurde. Woher kam dieser Aufschwung? Durch viel Tatendrang, noch mehr Arbeitseinsatz und das, was heute in vielen Supermärkten manchmal nur noch in Ansätzen vorhanden ist, nämlich Freundlichkeit und Kundenorientierung. So wurden neben der sogenannten „Laufkundschaft“ auch Waren nach telefonischer Bestellung in das Siebenmühlental, den Neulich und die Ludolf-Krehl-Straße frei Haus geliefert, d.h. schon frühmorgens um 4.30 Uhr fuhr man mit einem kleinen Opel Caravan Milch und sonstige Lebensmittel aus, oftmals auch noch eine zweite Tour gegen 11 Uhr. Nach reiflicher Überlegung wurde die Ladenfläche um das ehemalige Büro auf nunmehr ca. 38 qm erweitert, eine erste Käsetheke von 2,50 m Länge zur besseren Präsentation angeschafft und das Käseangebot auf ca. 80 verschiedene Käsesorten erweitert.

Die Übergabe:

Im Jahre 1969 stand eine einschneidende Veränderung im Hause Kücherer an: Die Geschäftsgründer Adolf Kücherer und seine Ehefrau Johanna übergaben ihr in den Nachkriegsjahren aufgebautes, in vielen Jahren zu einem festen Bestandteil der Handschuhsheimer Geschäftwelt gewordenes Lebensmittelgeschäft an ihren Sohn Dieter und dessen Gattin Inge.

Seit 1968 schon war Adolf Kücherer für die Milchversorgung Mannheim – Heidelberg tätig, hatte er sich doch als erfolgreicher Einzelhändler wie kaum ein anderer profiliert. Durch seine Beratertätigkeit und seine Vortragsreihen wurde er zum Mittler zwischen der Milchversorgung und dem Lebensmitteleinzelhandel in der näheren und weiteren Umgebung. Beide „Seniorchefs“ blieben ihrem Geschäft jedoch als Ratgeber und aktive Mitarbeiter verbunden.

Die Spezialisierung:

Der neue Chef Dieter Kücherer und seine Ehefrau Inge erkannten die Zeichen der Zeit. Sie wußten, dass man mit einem traditionellen Warenangebot in Zukunft gegen die großen Supermarkt-Ketten kaum Überlebenschancen haben würde und setzten daher voll und ganz auf eine Spezialiserung auf Käse, Wein und Feinkost.

Nach einem erneuten Erweiterungsumbau Mitte der siebziger Jahre, bei dem auch noch die ehemalige Küche zur Ladenfläche hinzukam – somit eine vergrößerte Grundfläche von ca. 50 qm zur Verfügung stand – wurde auch die zwischenzeitlich zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Handschuhsheimer gewordene Käsetheke auf mehr als 4 m erweitert, sage und schreibe 140 Käsesorten im Angebot geführt. Durch Anzeigen in der Heidelberger Presse wurden Kunden aus der näheren und weiteren Umgebung auf dieses fast wie eine französische „Fromagerie“ bestückte Geschäft aufmerksam. Außerdem beteiligte sich die „Käse-Ecke“ mit einem Verkaufsstand an dem seit Anfang der siebziger Jahre bestehenden Handschuhsheimer Wochenmarkt an der Tiefburg und gehört somit zu den Mitbegründern dieser aus dem Handschuhsheimer Alltag nicht mehr wegzudenkenden Einrichtung.

In diese Zeit fallen noch zwei weitere Aktivitäten der Eheleute Kücherer junior: Zum einen wurden lange Zeit jeden Freitag sogenannte „Schweizer Käseküchli“ verkauft, zum anderen „importierte“ man aus der Schweiz die Idee zum Raclette-Essen (eine Schweizer Spezialität). Der Kunstschmied Dieter Knörzer fertigte orginalgetreue Schweizer Racletteöfen an, die gegen ein geringes Entgelt für einen gemütlichen Abend in trautem Freundeskreise gemietet werden können.

Die Erweiterung:

Um das mittlerweile auf ca. 180 Käsesorten angewachsene Sortiment immer vorrätig haben zu können, wurden im Jahre 1990 im kleinen Hinterhof der Kriegsstraße 10 zwei moderne Kühlhäuser gebaut, eines für Hartkäse, das andere für Weichkäse. Außerem wurde die Präsentation im Laden selbst weiter verbessert: eine nunmehr 8 m lange Käsetheke ermöglicht eine noch bessere Beratung der Kunden.

Während dieses Umbaus mußte die treue Kundschaft, die ob der alljährlich einmaligen Schließung der „Käse-Ecke“ wegen Urlaub fast verzweifelt, keinen Tag auf den gewohnten Käse verzichten: Die ganze Umbauphase über wurde kurzerhand der auf dem Wochenmarkt bewährte Käsewagen in die Kriegsstraße gestellt und die darüber hoch erfreuten Kunden bedient.

Der heutige Stand:

Die Inhaber und Mitarbeiter der „Käse-Ecke“, in der mittlerweile drei Generationen zusammenarbeiten, schauen voll Zuversicht in die Zukunft: Ein Angebot von ca. 320 Käsesorten, dazu diverse Weine aus verschiedensten Anbauländern und edle Feinkost, verbunden mit der seit Jahren allseits geschätzten Zuvorkommenheit und Freundlichkeit des Chefs, der Familienmitglieder, sowie seines gut geschulten Personals verheißen diesem „Tante-Emma-Laden um die Ecke“ hoffentlich eine „käsige“ Zukunft.